Auswandern nach Dänemark mit Kindern - dänische Schulsystem, Kitas & Teenager.
- Livet i Danmark
- 31. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Juni
Wenn man als Familie den Entschluss fasst, Deutschland den Rücken zu kehren und ein neues Leben in Dänemark aufzubauen, klopft das Herz erst mal doppelt so schnell.
Ich schreibe diese Zeilen heute nicht nur als staatlich zertifizierte Beraterin für Auswanderer mit dem Länderschwerpunkt Dänemark ( BVA Berlin) für euch, sondern vor allem als Mutter von drei Kindern.
Wir als Familie haben das alles nämlich selbst durchgemacht, als Familie die Reisepässe aus verschiedenen Ländern besitzt.
Ich kenne die schlaflosen Nächte, die Sorgen und das Chaos mit der Bürokratie aus eigener Erfahrung. Genau deshalb kann ich heute jeden eurer Gedanken, jeden Zweifel und jede Hoffnung so gut nachvollziehen.
In meiner täglichen Beratungspraxis sehe ich die unterschiedlichsten Familiengeschichten.
Und eines ist mir ganz wichtig, direkt vorab zu sagen: Jedes Kind ist in Dänemark willkommen – und das gilt ganz besonders auch für Kinder mit Behinderungen oder besonderem Förderbedarf.
Dänemark hat ein wunderbar integratives System, das Kinder nicht nach ihren Defiziten bewertet, sondern sie einfach als wertvollen Teil der Gemeinschaft auffängt.
Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass eine Auswanderung nicht für jedes Familienmitglied sofort der absolute Traum ist. Wenn Teenager und Jugendliche plötzlich ihre Freunde, ihren Sportverein und ihr gewohntes Umfeld aufgeben müssen, fließen oft Tränen. Diese Ängste und auch die Wut der Jugendlichen nehme ich absolut ernst.
Genau deshalb bin ich nicht nur für euch Eltern da, sondern stehe auch für die Fragen und Sorgen eurer Kids und Teenager jederzeit parat.
Wir wollen ihnen den Übergang ja so sanft wie möglich machen.
Schauen uns an, was Dänemark den Kindern bietet – und worauf es beim Wechsel wirklich ankommt.
Das dänische Kinder-Universum: Von Anfang an geborgen
In Dänemark gilt das Prinzip des „Barnets Lov“ (Das Gesetz des Kindes). Kinder werden hier nicht als „zukünftige Erwachsene“ gesehen, die man irgendwie formen muss, sondern als eigenständige, wertvolle kleine Menschen, die im Hier und Jetzt ihr Leben entdecken dürfen. Das positive Miteinader lernen die Kleinsten von Anfang an.
Das spürt man in jeder Einrichtung.
Von rechtlicher Seite aus, werden Kinder in den Institutionen integriert, wie zB durch Programme zur Förderung der Sprache usw. Dänemark ist natürlich auch an neuen Generationen auf dem 1. Arbeitsmarkt interessiert und investiert sehr gut in die Steuerzahler von morgen.
Aufwachsen im dänischen System: Die Stationen
Das Baby- und Kleinkindalter (Vuggestue oder Dagpleje):
Wenn ihr mit einem Baby oder Kleinkind auswandert, werdet ihr schnell merken, wie herrlich unkompliziert Dänemark ist. Die Vuggestue (Krippe) ist ein Ort voller Wärme. Viele Kinder starten hier um den ersten Geburtstag herum. Der Personalschlüssel ist höher als in Deutschland und die Betreuung ist unglaublich liebevoll und bedürfnisorientiert gestaltet.
Die Anmeldung erfolgt direkt digital über die Kommune.
Eine Vollzeit - Betreuung ist ab dem Zeitpunkt in Dänemark nicht unüblich und anders als in Deutschland gesellschaftlich anerkannt.
Die Kindergartenzeit (Børnehave):
Mit drei Jahren wechseln die Minis dann in den Børnehave.
Hier wird das dänische Wort „Fællesskab“ (Gemeinschaft) zum ersten Mal richtig greifbar. Es geht weniger um starre Vorschulprogramme, sondern vielmehr um soziales Lernen, kreatives Miteinander und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Freies Spielen führt zu weniger Frust bei langerweile.
Die magische 0. Klasse (Børnehaveklasse):
Der Übergang in die Grundschule ist in Dänemark wunderbar fließend.

Bevor der "echte" Ernst des Lebens losgeht, besuchen die Kinder die 0. Klasse. Sie gehen zwar schon in die Schule (Folkeskole, Friksole, Privatskole), lernen aber im ersten Jahr spielerisch, wie Schule überhaupt funktioniert. Es ist das perfekte Brückenjahr – besonders für Auswandererkinder!
In Dänemark gibt es übrigens keine Einschultüten - bei uns gab es die dann immer nachmittags Zuhause. Das Leben zwischen verschiedenen Kulturen :-)
Die Grundschule (Folkeskole) & weiterführende Schulen:
Die dänische Schule geht von der 0. bis zur 9. (oder optional 10.) Klasse. Erst danach trennen sich die Wege Richtung Gymnasium (Gymnasie) oder Berufsschule. Was ich als Mama an der Folkeskole so liebe?
Es gibt bis zur 8. Klasse keine Noten! Es gibt nationale Tests, die direkt aus Kopenhagen stammen aber die Beobachtungen der Lehrer und dem pädagogischen Personal gibt den richtigen Aufschluss über den Lernstand des Kindes.
Der Fokus liegt ganz auf Teamwork, Projektarbeit und digitaler Kompetenz – und zwar absolut auf Augenhöhe.
Der Teenager-Bonus: Die Efterskole
Wenn du mit Jugendlichen in die 8., 9. Klasse auswanderst und sie ihre Freunde schrecklich vermissen, gibt es in Dänemark ein absolutes Wundermittel: die Efterskole.
Das ist ein freiwilliges Internatsjahr, das aber null mit Strenge zu tun hat.
Es geht um pure Gemeinschaft, Abnabeln im geschützten Raum und die eigenen Hobbys. Jede Efterskole hat nämlich einen Schwerpunkt: Egal ob Fußball, Kreativität, Reiten, Musik oder Outdoor – die Kids leben ein Jahr lang mit Gleichaltrigen zusammen und widmen sich ihrer Leidenschaft.
Warum das der absolute Integrationsturbo sein kann:
Durch das Zusammenleben entstehen in Rekordzeit tiefste Freundschaften.
Sie lernen das Dänisch nicht trocken im Unterricht, sondern abends beim Quatschen auf dem Zimmer.
Mein Fazit aus der Praxis:
Ja, es kostet Geld (wird aber vom Staat bezuschusst). Aber für Teenager, die anfangs mit dem Auswandern struggeln, ist dieses Jahr fast immer der Wendepunkt, an dem sie endlich richtig im Norden ankommen.
Nach der Efterskole fühlen sich die Jugendlichen meistens bereit für einen weiteren Abschluss oder für eine Berufsausbildung.
Die Wahrheit ist aber auch, das auch Kinder in Dänemark gemein sein können, es Streit und Unstimmigkeiten mit Lehrern geben kann. Diese Situationen werden aber Erfahrungsgemäss in Dänemark anders gehandhabt aber die schulische Integration ist kein Selbstläufer. Es ist ein Zusammenspiel der Institutionen und der Eltern.
Es ist wichtig ein Teil der Klassengemeinschaft zu sein - Kinder & Eltern.
Was den dänischen Alltag so besonders macht
Weil unsere drei Kindern selbst das System durchlaufen, möchte ich euch drei Dinge ans Herz legen, die man so in keinem offiziellen Prospekt liest, die den Alltag eurer Kids aber massiv prägen werden:
1. Das dänische „Du“ auf Augenhöhe
Es gibt hier kein distanziertes „Sehr geehrte Frau Müller“. Eure Kinder und Jugendlichen sagen ganz selbstverständlich „Du“ zum Schulleiter und zu den Lehrkräften. Man spricht sich einfach mit dem Vornamen an. Genau das bricht für Jugendliche aus dem Ausland sofort das Eis!
Es nimmt die enorme Angst vor dem Neuanfang, weil man sich von Anfang an mit Respekt, aber eben auf Augenhöhe begegnet. Das nimmt unheimlich viel Leistungsdruck aus dem System.
2. Die SFO – Wo das wahre soziale Leben tobt
Nach der Schule gehen dänische Kinder meistens nicht direkt nach Hause, sondern in die SFO (Skolefritidsordning). Das ist kein schnöder, langweiliger Hort, sondern eine echte Freizeit-Oase. Hier wird gemeinsam gebastelt, gespielt, gelacht und die Welt entdeckt. Für Auswandererkinder ist die SFO der absolute Turbo für die Sprache. Warum?
Weil hier der Druck des Klassenzimmers komplett abfällt und sie beim freien Spielen die dänischen Wörter ganz nebenbei wie ein Schwamm aufsaugen.
3. Schulpflicht vs. Unterrichtspflicht
Ein wichtiger rechtlicher Fakt: In Deutschland herrscht strikte Schulpflicht, in Dänemark dagegen Unterrichtspflicht (Undervisningspligt). Das dänische System vertraut uns Eltern enorm und lässt Raum für individuelle Wege. Aber dieses Vertrauen bringt natürlich auch Verantwortung mit sich.
Die Sprache lernen: Warum der Schulbesuch so wichtig ist
Eine der größten Sorgen von Eltern ist verständlicherweise die Sprachbarriere. Ich kann euch beruhigen: Kinder lernen Dänisch in einer Geschwindigkeit, die uns Erwachsene oft sprachlos macht. Aber – und das ist ein ganz wichtiges „Aber“ aus meiner Praxis:
Sie brauchen dafür den Kontakt zu Gleichaltrigen.
Und stellt euch die Frage: Habt ihr vor euren eigenen Sprachbarriere Angst oder dreht es sich wirklich um die Kinder?!
Für Kinder, die aus dem Ausland nach Dänemark kommen, wird der Besuch einer öffentlichen Institution (Kita oder Schule) dringend empfohlen - ich empfehle es auch.
Genau hier findet die Magie der Sprache statt – im Sandkasten, beim gemeinsamen Mittagessen und in der Pause. Dänemark fängt die Kids in sogenannten Modtagelsesklasser (Willkommensklassen) oder mit spezieller, liebevoller Sprachförderung im Alltag super auf.
Ein ehrliches Wort zum Thema „Freilernen“
Ich werde oft gefragt, wie es mit Homeschooling oder Freilernen in Dänemark aussieht.
Ja, Dänemark erlaubt freien Unterricht zu Hause.
ABER: Es gibt für Freilerner keinerlei finanzielle Mittel oder staatliche Unterstützung zur Integration. Es ist an Regeln gekoppelt und das Recht kann auch entzogen werden.
Das System ist komplett darauf ausgelegt, dass Kinder Teil des öffentlichen Fællesskab sind. Wer sich für das Freilernen entscheidet, trägt die volle finanzielle und soziale Verantwortung für die Integration der Kinder selbst.
Der Weg über die dänischen Kitas und Schulen öffnet den Kindern die Türen in dieses Land um ein Vielfaches schneller und sanfter.
Häufig haben Eltern vom Kindern mit besonderen Bedürfnissen und schlechten Erfahrungen in Deutschland den Wunsch nach Homeschooling - gerade diese werden aber wesentlich besser in Dänemark beschult, da dieses System wunderbar funktioniert.
Oft muss eine Familie aber erstmal durchatmen, dann versuchen wir von Anfang an die Kommunikation mit den Kommunen herzustellen und den Schulalltag langsam in die Familie zu integrieren.
In fast 6 Jahren durfte ich viele tolle kleine Menschen in das dänische Schulsystem mit begleiten.
Und das Wichtigste zum Schluss...
Während wir Erwachsenen uns durch Paragraphen, Steuerklassen und die Formulare der SIRI ( Styrelsen for international rekruttering og integration ) arbeiten, finden eure Kinder in Dänemark oft viel schneller ein neues Zuhause, als ihr denkt.

Kinder fühlen eine Auswanderung mit allen Gefühlen. Es gibt keine falschen Gefühle, Eltern müssen sie gut drauf vorbereiten und diese auch aushalten. Das geht nur indem sie selbst gut vorbereitet wurden.
Sie lernen hier nicht nur eine neue Sprache, sondern sie lernen Freiheit, Selbstständigkeit und eine Kindheit auf Augenhöhe.
Auswanderung ist ein Familienprojekt. Es fordert Mut von den Großen und den Kleinen, aber es schenkt euren Kindern Wurzeln.
Ich kenne jede Träne der Unsicherheit, aber auch das unbezahlbare Gefühl, wenn das eigene Kind das erste Mal stolz auf Dänisch antwortet.
Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen – Schritt für Schritt für dich, deinen Partner oder deine Partnerin und euren Kindern.
Ich arbeite positiv, objektiv und zielorientiert – gemeinsam schauen wir uns euren Traum vom Leben in Dänemark an.
Daniela




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